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Samstag, 20. September 2008

Lob eingeheimst

Ich bin 36, also irgendwie erwachsen. Irgendwie. Denn als Schüler in Klassenzimmern zu sitzen, das bewirkt automatisch eine Art Regression, man entwickelt einen Schüler-Habitus. Und Schüler sind zum Beispiel sehr empfänglich für Lob. Das geht mir auch nicht anders, ganz im Inneren.

Manchmal ist es mir schon peinlich, wenn ich mitkriege, daß ich was Bemerkenswertes abgeliefert habe, was Lehrer und Mitschüler beeindruckt. In Kunst gelingt mir das durchaus, besonders beim Zeichnen. Bleistift liegt mir gut, und wir sollten damit einen männlichen und weiblichen Akt sowie einige Tiere zeichnen.

Mir ist das gut gelungen, um Welten besser als den anderen. (Werde das mal demnächst scannen und hochladen). So hat es der Lehrer auch überall rumgezeigt, und das ist trotz allem irgendwie beschämend. Man wird nicht gerne als leuchtendes Vorbild herumgereicht, wen mán so bescheiden ist wie ich. :)

Der Lehrer (2 Jahre jünger als ich) wollte mich sogar anmimieren, eine Unterrichtseinheit zu übernehmen. Das habe ich aber abgelehnt. Er ist für die Frauen sehr viel unterhaltsamer als ich, denn er hat mächtig Sex-Appeal. Er läßt sich aber absolut NIE anmerken, daß er von dem Anschwärmen durch die Mädchen etwas merkt oder daß er vielleicht auch mal eine Schülerin niedlich findet.

Da tut er allerdings auch sehr gut daran.

Dienstag, 16. September 2008

Automatisches Uhrendrehen

Ich bin ja ein sehr sozialer Mensch. Altruistisch ohne Ende. Schon damals, als ich noch in versifften (und ich meine versifften!) Garderoben in irgendwelchen Firmen herumkroch, hatte ich eine Uhr im Bahnhofsdesign, die ich für alle an die Wand hängte.

Meine Bahnhofsuhr lag lange in der Ecke, aber für unser Klassenzimmer konnte ich sie gut gebrauchen. Die Sehnsucht nach der nächsten Zigarette braucht ja uch Orientierung. Ich hängte also die Uhr direkt über der Tafel auf.

Man gewöhnt sich an so einen Luxus, und das ist auch alles schön, wenn die Uhr geht. Heute ging sie aber falsch. Und das, obwohl sie eine Funkuhr ist. Habe ich sie also abgehängt, neu gestellt und gewartet, daß sie ein Funksignal kriegt und sich richtig einstellt. Tat sie aber nicht, also hab ich sie manuell auf die richtige Zeit gedreht.

Sehr lustig wurde es, als die Uhr beschloß, erstmal "durchzudrehen". Pötzlich lief die Unterrichtszeit der Lehrerin bedeutend schneller, ab, sie raste geradezu. Die Stunden waren innert Minuten abgehakt, und gegen Abend beteiligten sich meine Mitschülerinnen mit Kommentaren zum gerade laufenden Fernsehprogramm: "Jetzt kommt das - und jetzt kommt das!"

Es war echt witzig, aber auch ein komisches Gefühl, zu sehen, daß die Zeit auf einmal rast. Die Uhr versuchte vergeblich, die korrekte Zeit einzustellen, und geht nun wieder falsch. Das stellt uns vor Probleme! Auf eine Funkuhr im Klassenzimmer kann nicht verzichtet werden!

Montag, 15. September 2008

Unsere "schöne Klasse"

In der ersten Deutsch-Doppelstunde sollten wir alle einen kurzen Vortrag mit einer Begründung für die Wahl des Erzieher-Berufes geben. Das wurde gleich mit zwei Zensuren bewertet.

Ich hätte ja sagen können "weil ich arbeiten hasse und einen Teilzeitjob will", das tat ich aber nicht, sondern referierte über meine DDR-Vergangenheit und meinen kirchlichen Hintergrund. Ich gab mir Mühe und erhielt die ersten zwei Einsen dieses Schuhljahres.

Mir fiel auf, daß eine Vielzahl der Mitschülerinnen bereits veritable Probleme im Leben hatte und Krisen durchmachte: gescheitert im Beruf, Mobbing, Trennung vom Freund nach 7 Jahren, Krankheiten, Depris usw. Die wenigsten haben eine vorzeigbare Biographie, nur wenige haben eine Kinderpflege-Ausbildung.

Dafür sind viele Mütter dabei, die sehr engagiert von ihren Erlebnissen berichten und Erziehungsprobleme im Unterricht diskutieren. Es scheint eine große Empathie und viel Vertrauen zu herrschen, denn es wird sehr viel Persönliches erzählt.

In der Pause sitzen die meisten in einem Kreis zusammen im Hof und werten den Unterricht aus. Sowas hat diese Schuhle noch nicht gesehen. ich bin begeister, und den anderen scheint es ähnlich zu gehen. In ihren Vorträgen schlossen viele mit den Worten:

"...und jetzt bin ich hier und freue mich, in dieser schönen Klasse zu sein."

Amen dazu.

Sonntag, 14. September 2008

Schwule Schüler

Neulich hatten wir Wahlpflichtfach, "Musik und Tanz". Mit einem jungen Mitschüler aus der Parallelklasse bin ich der einzige Kerl dabei. Ergo sind wir auch zusammen in einer Umkleide.

Nachdem wir die 2 Stunden hinter uns gebracht und Matze sehr viel dabei rumgealbert hatte, zogen wir uns wieder um. Plötzlich sprach er mich an: "Ich hab gehört, du bist der Meinung, Schwule sollten keine Kinder haben?"

Klar bin ich dieser Meinung. Das Problem ist, Matze betrachtet sich als schwul. Er wollte natürlich eine Begründung von mir. "Weil Kinder zur gesunden Herausbildung ihrer Identität eben Mutter und Vater brauchen", war meine Antwort. Ein fehlender Elternteil sorgt naturgemäß für Probleme, zwei gleiche Elternteile sorgen allerdings für mehr als das, nämlich für heftige Verwirrung bei der Identitätsbildung.

Matzr erklärte mir empört, daß er seinen Vater nicht haben wolle. Er hätte ihn zweimal gesehen und wer sich so schlecht kümmere und so wenig Interesse habe, auf den könne er verzichten.

Das ist ja irgendwie klar, nur begründet das nicht das Recht von Schwulen auf Kinder. Das Fehlverhalten eines Vaters begründet ja auch nicht die allgemeine Verzichtbarkeit von Vätern. Es beweist nur, daß ein präsenter und aktiver Vater eben sehr gebraucht wird - und daß es schiefgehen kann, wenn er fehlt. (Matze hat Probleme mit seiner sexuellen Identität....).

Auf seine Mutter dagegen hätte Matze wohl kaum verzichten wollen. Schließlich hat sie ihn großgezogen. Aber einem Kind, daß bei schwulen Männern aufwächst, dem will er einen Mutterverzicht zumuten? Na vielen Dank.

Außerdem frage ich mich, wer ihm überhaupt meine Meinung erzählt hat. Diese habe ich nämlich während des Unterrichts in unserem Klassenzimmer geäußert, und er geht in die Parallelklasse. Sollte es eine Schwulenlobby an unserer Schuhle geben? (Kleiner Scherz).

Samstag, 13. September 2008

Deutsche USA-Hasser

An unserer Schuhle gibt es vier männliche Lehrer, darunter den bei Mädchen höchst beliebten Herrn Z. Er ist 34 und sehr fesch, kann gut mit den Schülerinnen umgehen und ist nett. Er hat ausgerechnet am 11.9. Geburtstag, und einen Tag später hatten wir bei ihm Unterricht.

Er meinte, er habe am Tag dieses Ereignisses noch auf der Seite der USA gestanden, aber mittlerweile ist er überzeugt, es waren die Amis selber.

Hallo? WHAT THE FUCK??

Ich bin sofort aus der Haut gefahren, als ich einen einigermaßen intelligenten Menschen sowas sagen hörte. Der Glaube an irgendwelche Verschwörungstheorien scheint sich immer weiter auszubreiten. Dabei ist das Geschehen doch von allen Seiten beleuchtet und von verschiedensten Staaten bestätigt worden. Die Täter sind auf Überwachungskameras, die Geldströme sind aufgedeckt worden, die Mitwisser sind bekannt und festgenommen, der O-Ton aus dem Cockpit ist erhalten, alles ist völlig klar.

Wer sich Hirngespinsten hingibt, daß die USA quasi ihre eigenen Medien, Journalisten usw. manipulieren könnten wie sie wollen und niemand darüber etwas herausfindet, ja, daß sie die ganze Welt und alle möglichen Geheimdienste auf die gleiche Weise manipulieren würden....

...der ist für mich ein armer Irrer oder ein Vollidiot.

Oder er ist, ganz einfach, ein notorischer Hasser der USA, der alles glaubt, was man denen anhängen möchte. Dummes Volk, das.

Herr Z. wollte mit mir diskutieren, aber das kommt nicht infrage. Mit verblendeten, faktenresistenten Irren diskutiere ich doch nicht.

Montag, 8. September 2008

Übermüde

Ich krieg es nicht hin, rechtzeitig ins Bett zu gehen. das bedeute: kurze Nächte, mühevolles Aufstehen, absolute geistige Abwesenheit im Unterricht.

Das ist aber auch echt nicht mal schlimm. hab alles schonmal gehört - und es ist von tödlicher Banalität!!!

Hatte heute ein Buch über Neurophysiologie, Lernprozesse und Neuronen als Lektüre zur Verfügung, von einer netten kollegin mitgebracht. manfred Spitzer, eine Koryphäe, hat da sehr interesante Forschungen gemacht und Ergebnisse beschrieben.

*hier müßten diese jetzt angerissen werden*

Auf jeden Fall ist es dem effektiven Lernen total abträglich, wenn man zuwenig schläft. Da kommt man nie auf einen grünen Zweig.

Sonntag, 7. September 2008

Zweite Woche beendet

Bei flotter Musik von Donald Fagen läßt sichs fein Bilanz ziehen. Das Beste ist: ich hab ohne weiteres im ersten angefragten Kiga eine Praktikumsstelle bekommen.

Das Schlechteste ist: meine Vor-Angst lähmt mich bereits jetzt, obwohls in der Schuhle wieder kuhl ist. Trotzdem stehe ich ständig unter Strom, negativem Streß und Angst. Das bedeutet nichts Gutes. Betablocker oder sowas wären das Mittel der Wahl. Angstlöser, was weiß ich.

Man lernt sich nun langsam näher kennen in der Klasse. Noch immer werde ich als Klassensprecher vorgeschlagen - obwohl ich doch total ungeeignet dafür bin. Am Freitag habe ich die letzten drei Stunden geschwänzt (Wahlpflichtfach - Tanzen, Musik). Arme Frau Ritter. Arme Ritter, sozusagen.

Ich habe nun den totalen Vergleich: was machen die Lehrer in diesem Jahr anders als im letzten? Und es gibt tatsächlich welche, die ihre Vorbereitung überarbeitet haben. Aber es gibt auch welche, die haargenau das Gleiche loslassen wie vordem.

Es gibt mehrere Lehrer, deren Inhalte sich völlig decken, obwohl sie verschiedene Lernfelder beackern. Wieder mal pure Zeitverschwendung.

Habe heute mein Auto auf Vordermann gebracht, nächste Woche wollen zwei der jungen Hüpfer bei mir mitfahren. Vorher hatte ich mehrere Ladungen Holz aus dem Wald (selbst dort gesammelt und zerlegt) damit transportiert. Wozu hat man denn ein Auto (Rover 416)?!

Freitag, 5. September 2008

Gegen die Masse

Die Mehrheitsmeinung war noch nie mein Ding. Und was Themen wie Familie, Ehe und ähnliches angeht, hab ich garantiert eine eigene Meinung.

Damit ecke ich dann auch regelmäßig an, wie gestern zum Beispiel wieder. Die Lehrerin wollte über Familie und deren Aufgaben sprechen. Basisfrage, die zu beantworten wäre: was ist denn überhaupt eine Familie? Eine Mitschülerin nannte, nach anderen beispielen, "zwei Mütter" als Familie. Und zwecks Nachwuchs lassen sie sich eben die Keimzellen einspritzen oder so.

Grrr, da gehe ich auf die Palme. Für die eigenen Bedürfnisse wird ein Kind quasi benutzt und ihm wird zugemutet, mit zwei "Müttern", aber ohne Vater aufzuwachsen. Jeder Mensch sucht seine Identität, und jeder Mensch braucht einen Vater und eine Mutter. Ein lesbisches Paar ist niemals eine Familie, nicht in meinem Universum. Das Kind kotzt ab, wenn es erfährt, daß es durch "Selbsteinspritzung" entstanden ist.

Meine Mitschüler haben kräftig gegen meine Meinung protestiert, aber da mach ich natürlich nix draus. Das bin ich schon gewöhnt, also was solls. Zwei andere Damen haben mir in der Pause bestätigt, daß sie auch meiner Meinung seien, aber ich solle doch still sein, um nicht alle gegen mich aufzubringen.

Ha, das wäre noch! Wo gibt's denn sowas, daß man seine Meinung nicht mehr äußern darf?
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