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Freitag, 20. März 2009

Kurzes Ende

sisoftsandra

Mein "Bewerbungscenter" oder "Bewerbercenter" (darüber streiten Experten noch, wobei ja beide begriffe shice sind) ging heute sang- und klanglos zu Ende. Es wurde gleich morgens klargemacht, daß 13.00 Uhr keiner mehr hier sitzen würde. Und so schickte man uns ohne jegliche Skrupel um 10.15 Uhr nach Hause.

Ich hab trotzdem noch heftig an meinem Bewerbungsflyer gebastelt. Anhand dieses Projektes gelang es mir, mich etwas weiter in die Bedienung von GIMP einzuarbeiten - eine mühsame Sache, wenn man nicht gleich jemanden fragen kann, der bescheid weiß. Aber es bereitete mir auch Befriedigung, etwas zustande zu bringen, etwas dazuzulernen. Wenns richtig fertig ist, werde ich das mal hochladen.

Oben sieht man meine überaus nette Kumpeline S., die neben mir saß und "Freud und Leid" des Lehrgangs sowie des Lebens allgemein mit mir teilte. Dafür bin ich ihr übelst dankbar, denn ich hatte ein wunderbare Zeit. Wir verstanden uns auf Anhieb und wurden schnell vertraut miteinander. Bombastisch, sowas macht das Leben schön.

Der "alte" Kretschmar allerdings, der erzählte heute (als einzige Bemühung seinerseits) aus seinem Leben. Er hatte noch Heilerziehungspfleger gelernt und Soz.Päd. studiert. Vor der Wende war er viele Jahre bei der NVA. ich fragte ihn, ob er das aus Überzeugung gemacht hätte. hatte er. und ees zeigte sich, daß er bis heute an seiner positiven Sicht der DDR festhält, in der es "den Menschen doch gut gegangen sei".

Sozialisten sind eben faktenresistente Ewiggestrige. Basta. Scheiß Linke. Und aus.

Donnerstag, 19. März 2009

Es geht rund

Viel passiert seit vorgestern, echt viel. Wir sind nämlich mittlerweile beim vierten Dozenten angelangt, und das kam so.

Der erste, der mit dem Bartzopf, hat sich letzten Freitag ja in den Urlaub verabschiedet. Nach Ägypten, wie es hieß. Wir sollten Herrn Franz dafür bekommen, einen älteren, wenig motivierten und noch weniger Ahnung habenden Mann. Na, von ihm hatte ich ja schon geschrieben.

Gestern nun hatte er zuerst mal keinen Schimmer, wie man Dateien in PDFs umwandelt, und holte dafür seine Kollegin.

Nun, die Frau war mindestens eine Offenbarung. Mindestens! Jung und fesch und mit einer Figur gesegnet, die so manchen Jungspund zur hormonellen Raserei hätte treiben können. Aber auch den älteren Herren unter uns fielen fast die Augen raus beim Glotzen, und das Kommentarniveau fiel immer tiefer.

Eine Pause später saß dann ein anderer Mann vorne am Tisch und stellte sich als "Kretschmar" vor. Es war der Vater vom Typ mit dem Bartzopf, wie sich herausstellte. Und er ersetzte den Herrn Franz, welcher kollabiert war, wie sich ebenfalls herausstellte.

Damit waren wir gestern bei Dozent Nr. drei, mit der Aussicht für heute noch keine Festlegung zu haben, wer uns beschäftigt. Es wurde dann die fesche Tussi. Den Herren auf den Hinterbänken lief der Sabber aus dem Maul.

Nach 30 min hatte die junge Frau jedoch dermaßen viel Eindruck gemacht, daß alle Machos willig wie Schafe den Unterricht mitmachten, sich kooperativ und brav verhielten. Wirklich lustig, wie handzahm sie wurden dank einer kompetenten Frau da vorne.

Sie war auch wirklich die einzige, die uns Inhalte vermittelte. Meine tiefe Bewunderung gilt ihr dafür, wie sie sich unbeeindruckt von der sexistischen Atmosphäre an ihre Agenda hielt und die Leute überzeugte. Tolle Frau, Respekt!

Es gibt noch mehr, aber ich bin zu müde.

Dienstag, 17. März 2009

Geld verprassen

Unsere zweiwöchige Schulung kostet das Arbeitsamt pro Teilnehmer ca. 300 Euro. Natürlich wollen die auch wissen, was dabei rumkommt, und haben uns alle per Brief aufgefordert, einen Fragebogen zur Qualität des "Bewerbungscenters" auszufüllen, online.

Nun, die Sache ist recht einfach zu beschreiben. Wir sitzen alle vor unseren Bildschirmen, auch der Dozent. Ab und an hört man schräge Geräusche. Das liegt an den YouTube-Videos oder an den Flash-Games, die gerade laufen.

3 schauen sich die uralten Missgeschick-Zusammenschnitte in Miesqualität und mit Brutalofaktor zum zehnten Mal an. 3 glotzen ein Funvideo mit Tieren. 3 spielen Flashgames wie Tennis oder Autorennen. Drei unterhalten sich über Verschwörungstheorien (NWO), die sie gerade im Internet aufgetan haben. Ein ganz aus der Zeit Gefallener schiebt auch 2009 noch die Karten über den Bildschirm. (Wie hieß das Spiel noch gleich?)

Meine Nachbarin und ich surfen mit Google Earth durchn die Lande. Außerdem habe ich einen USB-Stick mit 300 Foptos dabei, die ich so nach und nach zu Panoramio hochlade. Auch die Online-Communities frequentieren wir. Gerade schickt sie mir eine Einladung zu "wer-kennt-wen". Dumm, daß gerade Google Mail nicht erreichbar ist...

Aller 90 Minuten ist Rauchpause, die aufs Doppelte verlängert wird. Der Faktor kann bei Bedarf von Zwei auf Drei erhöht werden. Mittagspause natürlich noch länger. Drei- bis viermal am Tag erhebt sich der Dozent von seinem Bildschirm und teilt die Internetausdrucke aus, die er sich gerade auf Bewerbungsseiten zusammengeklickt hat.

Alles in allem:

Ich glaube, besser hätte das Arbeitsamt das Geld gar nicht anlegen können!!

Einige Fotos aus Werdau

Den Montag hätte ich auch schon wieder geschafft. Hatte wieder viel Spaß mit meiner Nachbarin. Sie erstellte einen alternativen Bewerbungstext, der sehr lustig war. Im Prinzip hat sie überhaupt keine Lust, was zu machen dort. Aber man muß ja die Zeit rumbringen.

Ich beschäftige mich immer noch mit dem extravaganten Flyer, der mich dann mal professionell vermarkten soll. Wird ein Kracher (oder für alle, die des Layoutens mächtig sind, ein Lacher...)

Am meisten fetzen mir aber Fotosafaris, die man in dem verfallenen Ruinennest Werdau prima durchführen kann. Daher ging ich heute in der Mittagspause auf Pirsch und kam erst 15 min vor Schluß zurück. Könnte mir Ärger einbringen. Aber zuerst mal hat es mir 200 schöne Fotos eingebracht, auf die ich stolz bin. Sind nicht ganz diese Knipsebilder wie die folgenden.

Schulungszentrum der RAG in Werdau von der Straße aus (links)



Blick in den Hof, ringsherum noch eine Rettungswache, eine Kantine etc. pp.



Das Gebäude hat 4 Etagen, hier die Eingänge zu den Etagen drei und vier.



Im tristen Flur stehen die üblichen Vitrienen mit den üblichen Produkten der diversen Ausbildungsgänge, hier metalltechnik:



Und hier...naja, fragt mich mal was Leichteres.

Montag, 16. März 2009

Zweite Woche

Heute beginnt die zweite Woche meines Bewerbungstrainings. Ich fange sie schon mal verkehrt an, da ich noch nicht im bett bin. es wird also wieder ein qualvoller Tag mit anschließendem sofortigen Bettrückzug.

dafür war der letzte Freitag umso schöner. Ich habe mir gestattet, die ersten zwei Stunden sausen zu lassen, um dafür etwas frischer zu sein. Keinen hats gestört. Am Abend vorher mußte ich nämlich noch ein geschenk für meine liebe Banknachbarin machen, da sie am Freitag 36 wurde. Ein Alter übrigens, das man ihr nicht im geringsten ansieht.

Ich habe eine Mix-CD aus 10 verschiedenen CDs meiner Sammlung gebrannt. Das Raussuchen hat einiges an Zeit gekostet. Dann noch eine Karte rein, und fertig. Sie hat sich sehr darüber gfreut, nun bin ich gespannt, ob ich auch den Musikgeschmack getroffen habe.

Zur Feier des Wochenendes machte ioch dann auch noch eine verlängerte Mittagspause in Form einer Fotosafari. muß mal was davon hochladen, es war sehr ergiebig. Aber jetzt ist erstmal Bettruhe angesagt. Tippfehler bleiben heute drin!

Samstag, 14. März 2009

Völlig erschöpft

Ich habe mir leider in den letzten Jahren etwas viel zugemutet. Das heißt, etwas zu wenig - Schlaf. Und nun stehe ich da und bin nicht mehr belastbar. Obwohl - wenn ich ausgeschlafen hätte, wäre ich es sicherlich noch.

Wie auch immer: gestern nacht stellte ich noch eine Mix-CD für meine Banknachbarin zusammen, die gestern Geburtstag hatte. Für 36 hat sie sich wunderbar gehalten. Auch sonst ist sie ganz super-nett. Wir haben gestern und heute noch gute Unterhaltungen gehabt. Muß ich noch was extra schreiben.

Gestern morgen war ich jedenfalls schon so tot, daß ich das Aufstehen nach hinten schieben mußte. Bin also erst viertel zehn in Werdau gewesen. Hab aber garantiert nix verpaßt.

Oh, bin gerad zu müde zum Weiterschreiben. Und einen Virus hab ich auch wieder mal. Äußerst eklig.

Mittwoch, 11. März 2009

Typgerecht gescheitert

Wir hatten heute den Auftrag, einen Flyer zu erstellen. Ziel: sich selbst möglichst gut anpreisen. Und zwar auffällig, d.h. nicht nach dem 08/125-Schema. Es wurden einige Flyer herumgereicht, zum Anregen der Gedanken.

Natürlich erstellten alle mehr oder weniger 08%15-Flyer. Ich dagegen hatte gerade gefressen, daß mein Dozentchen mich mit seinen Administrator-Rechten auflaufen ließ. Sowas löst in mir gewaltige Ressentiments aus. Doch ich verfüge auch über kreatives Potential, also was solls.

Man könnte ja einen Flyer erstellen, der gnadenlos meine sämtlichen schlechten Eigenschaften aufdeckt, mich als Anarchisten enttarnt, oder als Psychopathen, oder beides. Hauptsache, was Absurdes, was Sinnloses, etwas, das Protest ausdrückt.

Ich hatte dann doch den Kick, einen "tollen", oder anders: den "allertollsten" Flyer zu erstellen. Und ich hatte die Ideen, und ich habe angefangen und mich voll da reingekniet. Stunden lang, ohne Pause. Es hat sogar Spaß gemacht. (Natürlich nur wegen dem sekundären Antrieb, den mir Sandra neben mir sitzend verschaffte).

Sagen wirs mals so: es wäre ganz bestimmt der mit Abstand tollste Flyer in dieser Schule gewesen - wenn nicht plötzlich vor meinen Augen GIMP festfror und meine noch nicht gesicherten Bildelemente ebenfalls zu Eis erstarrten, ohne Rettung, ohne Kommentar. Dabei wußte ich eigentlich, daß GIMP gerne mal abstürzt.

Das ist ein sehr feines Sinnbild meiner Unternehmungen der letzten Jahre (oder all' meiner Jahre). Große pläne, große Risse, große Ziele, das erste, das beste, das einzige und das Großartige mußte es immer sein, und jämmerliches Scheitern stand am Ende. Ein Lebensprinzip, wie es scheint.

Und zwar das Prinzip "Loser".

Für Andi

Meine selbst(un)kritischen Einlassungen von neulich wurden folgendermaßen einer Kritik unterzogen:

"So, so, also ehrlich gesagt ziemlich erschreckend!

Denn was nützt die (eigene) Selbstdiagnose wenn man sie dann eigentlich überhaupt nicht beherzigt, sondern immer komplett ignoriert und trotzdem sein (ganz offensichtlich falsches) Ding durchzieht?

Darüber sollte man nachdenken!"

Vielleicht habe ich (oder hat man) in einem Blog gerne die Tendenz, die Realität etwas zum eigenenVorteil zu schönen. Das geht ganz automatisch. Daher könnte ich von mir einen positiveren Eindruck erweckt haben als es richtig bzw. echt wäre.

Ja, ich weiß, das ist ein falsches Ding, was ich durchziehe. Vor 10 Jahren hatte ich einen komplett anderen "state of mind" und versuchte, mein Bestes zu tun in jeder Hinsicht im Leben. Und doch, man wundere sich: ich empfand mein Leben auch damals als total falsch. Und ich fand dafür keine Lösungen.

Meine Lebensauffassung hat sich seither ziemlich stark geändert. Das Bedürfnis, Dinge richtig zu machen, sich selbst zu erziehen, kleine Schritte nach vorne zu machen, das wurde zerrieben am Leben selbst. An den Mißerfolgen. An allem möglichen.

Und dadurch kann ein Abwärtstrend einsetzen, der mehr und mehr die Reste der Selbstachtung und der Verbindlichkeit, der Tugenden und des Verantwortungsgefühls erodiert. Man erkennt, ich kann das sehr gut analysieren, und ich kann es eingestehen.

"Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung", heißt ein Sprichwort, aber ich sehe darin wenig Wahrheit. Selbsterkenntnis, das ehrliche Eingestehen der eigenen Schwäche, ist ein Weg, noch schwächer zu werden, sich selbst zu entmutigen, sich gehenzulassen.

Die allermeisten Menschen sind nicht bereit und nicht fähig, sich selbst genau kennenzulernen, ehrlich einzuschätzen und ihre Schwächen einzugestehen. Das hilft durchaus, um mit einem Trugbild sehr gut weiterzuleben. Ist halt dann Selbstbetrug, aber wen juckt's?

Ich mache mir selbst nichts mehr vor, und die Realität ist auch für mich selber erschreckend. Ja, erschreckend. Aber mit Nachdenken darüber komme ich keinen Schritt weiter, und wenn das einer getan hat, dann ich. Aus mir selbst heraus wird da niemals etwas besser, völlig ausgeschlossen.

Das viele Nachdenken verschlechtert im Gegenteil die Situation. Es müßte also eine andere und bessere Strategie her, um hier noch was zu reißen.

Mittwoch, 11. März 2009

Langsam aufheizen!

Nicht nur beim Outing meines fiesen Charakters konnte ich mich heute beobachten. Nein, auch ein anderer Wesenszug wurde mir wieder zum Verhängnis.

Die Zeit ging heute ganz erstaunlich schnell vorbei, und meine Banknachbarin schaltete gehetzt den Computer aus, weil sie fast den Feierabend verpaßt hatte. Wie kommt sowas?

Ganz einfach: man muß nur genügend latschen, das ist alles. Mehr gehört nicht dazu. Na gut, auch gemeinsam lachen und Spaß haben kann nicht schaden! Wichtig ist natürlich, daß die Chemie stimmt. Und ich habe den Eindruck, sie stimmt auffallend. ;-)

Die Gute neben mir ist ein Jahr jünger, ganz schön attraktiv und dazu noch nett. Sie törnt mich einfach an, und daher der Spaß, das Lachen, die gute Laune. Für sie habe ich da sicherlich nicht die gleiche Bedeutung, denn sie ist verheiratet und hat ne 16jährige Tochter (nee, keinen Sohn). Wir haben uns sehr viel Privates schon erzählt.

Sei es, wie es sei: wenn das noch 2 Tage so geht, dann bin ich verknallt. Oder zumindest etwas angefixt. Jedenfalls in perfekter Stimmung - solange sie in der Nähe ist. Und wenn ich dann heimgehe, wenn wir uns trennen, dann bin ich "sad", dann fällt meine Laune sofort unter Null. Klare Anzeichen für eine Verliebtheit, oder sieht das jemand anders?!

F U C K ! °°°°°°°°°^^^^^^^^^^^°°°°°°°°°°°°°°^^^^^^^^^^^^^^

Langsam outen!

Als reflektierender Mensch kenne ich so ungefähr meine Wesensart. Heute durfte ich mich selbst dabei beobachten, wie ich meine Charakterzüge so langsam offenbare.

Ganz realistisch betrachtet bin ich frust-, neid- und faulheitsgetrieben. Da haben wir schon drei der tiefsten Beweggründe, die in mir stecken.

Als erstes war ich heute wieder zu spät, d.h. immerhin nur 20 und nicht 45 Minuten. Dann hatte ich mir auf dem USB-Stick meinen Standard-Lebenslauf mitgebracht und dachte, nun aus dem Schneider zu sein. Hab das Ding ausgedruckt und dann gemütlich das Surfen angefangen.

Mein Herr Dozent war damit allerdings nicht zufrieden. Er sucht uns nahezubringen, daß jedes kleinste Detail, was nicht paßt, unsere Chancen zunichte machen könnte. Insofern sollen wir also perfekte Lebensläufe vorlegen.

Ich fing an, mit ihm zu diskutieren. Nicht aus inhaltlichen Gründen - nein, einfach, um Aufmerksamkeit zu erlangen. (Darin gleiche ich dem Proll, den ich gestern so getadelt hatte). Ich meinte, ich würde mich sowieso nur unterhalb der Ebene bewerben, wo es auf Details ankomme. Und Zeitarbeitsfirmen verlangen eh keine Bewerbung, sondern lassen nur ihren Fragebogen ausfüllen, fertig.

Er hat gut dagegengehalten, der Mann mit dem Bartzopf. Aber es kam dann doch raus, daß ich so oder so keine Chance hätte. Denn selbst die Leihbuden schmeißen ja alle Leute raus und brauchen niemanden. Reguläre Jobs sind völlig ausgeschlossen.

Ich meinte, ich könne sowieso nicht mit den besten Bewerbern eines jeweiligen Stellenangebots konkurrieren, und außerdem hätte ich auch nichts anzubieten. "Zusatzqualifikationen" wollte ich nicht aufführen, wenn ich da nur "Führerschein" reinschreiben kann. Tja, es wurde dann nicht weiter diskutiert, weil ein anderer seine Fragen stellte.

Aber es finden sich hier schon einige Verhaltensmuster, die typisch für mich sind: ich möchte eine Naupt- und keine Nebenrolle spielen. Da ich das aber mit Leistung nicht kann, muß ich es mit Renitenz machen. Renitenz ist mir zur zweiten Natur geworden, Nonkonformismus ebenso. Ich mache grundsätzlich nicht das, was alle machen, sondern mein eigenes Ding. Außerdem möchte ich nicht, daß man mitkriegt, was ich denn doch kann oder weiß, also spiele ich immer und ewig den Dummen. Und das sehr gekonnt.

Ich locke die Kontrahenten immer regelrecht aufs Glatteis, dorthin, wo sie anfangen zu dozieren und zu belehren. Bei Gelegenheit gebe ichs ihnen dann. Aber immer schön fies. Und wenns geht, lasse ich andere die Arbeit machen. Meinen wüsten Lebenslauf hat nämlich auch der Dozent formatiert, ich hatte darauf keinen Bock.

Alle diese Eigenschaften disqualifizieren mich schon vollständig für jede Anstellung, jede simple Tätigkeit. Soll ich da erst noch die Rekruter hinters Licht führen, indem ich ihnen geschönte Papiere vorlege?? Dann lieber gleich authentisch, und basta.

Auf meinem Lebenslauf stand all die Jahre noch nicht mal die Adresse, geschweige denn die Telefonnummer, und trotzdem habe ich damit drei Anstellungen erreicht, bei einer Bewerbungsquote von drei.

So what?????????????????

Montag, 9. März 2009

Die Leute

Gleich am Anfang aufgefallen ist ein jüngerer Typ, ein ehemaliger Nachbar, d.h. wir kennen uns, er ging mit meinem Bruder in die Klasse. Der hat nur das Maul aufgerissen und dumme Bemerkungen gemacht. Ein Assi, wenn ichs mal so sagen darf.

Die meisten sind Männer, Handwerk, Bau, usw. Einige sagen gar nichts, halten sich völlig raus. Die paar Frauen machen ihr Ding für sich.

Ich hatte mich ja neben die von hinten attraktivste Dame gesetzt, und sie war auch aus anderen Richtungen sehr ansehnlich. Abgesehen vom Vollmasken-Makeup, das die ganze Gesichtshaut bedeckte. Hatte offensichtlich ein intensive Vorbereitung auf den Ernst des ersten Tages getroffen.

Wir wurden dann schon etwas warm miteinander, besonders, als wir beim Tippen eines Lebenslaufs uns beide nicht sonderlich geschickt anstellten und und daher auch austauschen mußten. Ein paar nette Gespräche mit einer netten Frau verändern natürlich den Tag. Sie war mal Krankenschwester, hatte aber zuletzt bei einem Autozulieferer gearbeitet.

Unser Dozent ist 30, ein absolut klassischer Sozpäd-Typ: zwei Kapuzenshirts übereinander, lange Haare, Zopf, dazu vorne eine mit Gummis gebundener Bartzopf, der ihm vom Kinn baumelt. Doof beim Essen, würde ich sagen. Abgesehen davon hat er aber sowohl Erfahrung als auch Talent, um unbeeindruckt von dummen Zwischenrufen oder besserwisserischen Prolls seine Themen durchzuziehen.

Für die letzte Gruppe hat er sogar Bewerbungsfotos geknipst und nachbearbeitet. Er besteht nicht dogmatisch auf irgendwelchen Regeln, er macht das schon sehr gut.

Als ich etwas aufgetaut war, habe ich natürlich auch einige Bemerkungen gemacht. Als ich fragte, ob er denn schonmal arbeitslos war, nahm er das zum Anlaß, seinen Lebenslauf zu erzählen.

Naja, trotzdem habe ich keine Lust, weil es öde ist, weil es öde ist, weil es langweilt. Weil ich mich gar nicht bewerben will, aber so tun muß, als würde ich wollen. Weil ich mit Word nicht klarkomme, und weil ich es hasse, wenn ich irgendetwas nicht am Besten kann.

Und meine Nachbarin ist schon vergeben und hat einen Sohn, der 16 ist. da stehe ich als Single blöd da und ärgere mich zu Dreck über mein Scheißleben. Wenigstens gibt es Fahrgeld, und zwar so viel, daß am Ende was übrigbleibt.

Müßte jetzt ins Bett, aber ich will nicht. FUCK:

Erster Tag...hilfe!

Mit 3,5 Stunden Schlaf einen achtstündigen Unterrichtstag durchzustehen, das ist für mich schon kaum noch darstellbar. War vor 10 Jahren noch anders.

Mittlerweile habe ich schon zig dieser Bildungsträger gesehen, die alle stets in einem alten Fabrik- oder Gewerbebau untergebracht sind, mit den gleichen Gipskassettendecken, den gleichen eingelassenen Deckenlampen, der gleichen tristen Rauhfaser an den Wänden, mit dem Flipchart vorne.

Mir ist das so gut bekannt, daß es quasi eine zweite Heimat ist. Die unvermeidlichen Einsammlungen von Schriftstücken, Anträgen, Verträgen, die Abklärung der Pausenzeiten, die Verlesung der Belehrungen, der Fluchtwege, der Parkplatzordnung - alles genau so schon ypsen mal erlebt.

Das muß eine Zeitschleife sein, in der ich mich befinde. Ein gutes Gefühl ist das nicht, eher ein ödes, ein trostloses Gefühl.

Dazu trägt dann auch das Coming Out der ersten prolls bei, die in der Zigarettenpause draußen rumstehen und einen auf Dicken Max machen, sich erstmal produzieren und die Rangordnung abchecken. Ich habe noch nie was für diese Klientel übriggehabt, und meine Leben lang (!!) wasr ich ihnen dennoch ausgeliefert.

Ich rauche nicht, aber ich stehe manchmal mit dabei, um eben nicht ganz abseits zu stehen, und um nichts zu verpassen. Aber es ist schon echt öde, diese Gesellschaft.

Die Ruhrkohle AG betreibt im tiefsten Osten dieses Zentrum, wo auf vielen Etagen auch Metallberufe, Rettungsassis und Köche ausgebildet werden. Ach, ich hasse diese Atmosphäre der Lehrlingswelt, diesen Zwang zum Markieren, dieses Großgetue, diese dumme Proletenwelt.

Na, und leider habe ich es nicht mal bis zum Proleten gebracht.

Mehr im nächsten Artikel...

Mein Stil

Mein Stil ist nicht gerade jobkompatibel. Meinen Lebensstil meine ich. Heute ging ich so gegen halb drei ins Bett, suchte lange den Schalf und als ich endlich mal weg war, kam das Handy und piepste mich zurück.

*pimmelbarsch und hirn*

Ich hatte eine Mordswut auf den ganzen Tag, denn so qualvoll mit dem realen Leben konfrontiert zu werden ist grausam. Und aus dieser Wut heraus nahm ich mir dann auch echt die Zeit, die ich zum Wachwerden brauchte.

Am Auto angekommen, vermißte ich noch die Geldbörse und mußte nochmal umkehren. Das führte im Endergebnis dazu, daß ich statt 7.45 Uhr erst 8.20 Uhr in der Bildungseinrichtung an die Tür klopfte.

Es hat natürlich keine Sau gejuckt. War ja klar. Als nächstes checkte ich, daß da ein weibliches Wesen mit langen Haaren noch einen freien Platz neben sich hatte. Genau den steuerte ich auch an. Weiterhin konnte ich mich freuen, daß ich so clever war, gleich in den Hof des Bildungsträgers gefahren zu sein. man darf dort zwar nicht parken als billiger Teilnehmer, aber das wußte ich ja nicht. Hatte definitiv am Sc hluß den kürzesten Weg zum Fahrzeug.

Was weiterhin vorgefallen ist und wie es so war, das schreibe ich nach dem Volleyballtraining. Klaro?

Neue Schuhle

Nach dem Abbruch und der schnellen Trennung von meiner Schule und den lieben Klassenkameradinnen ereilt mich nun mein Schülerschicksal erneut.

Naja, gut: "Schüler" kann man nicht so recht sagen. Ich tue dem Arbeistamt einen Gefallen, indem ich zwei Wochen Bewerbungstraining mitmache. Finde ich ja auch ganz ok, denn erstens wird dem Bildungsträger beim Überleben geholfen, zweitens lernt man Leute aus dem eigenen Milieu (Arbeitslose, Auskenner, Schmarotzer) kennen und kann Tricks austauschen, drittens komme ich mal raus aus dem täglichen Trott.

Klar - die Schwarzarbeit fällt dann erstmal flach, aber die rennt ja nicht weg...*gg*

Ich werde also meine Eindrücke vom Bewerbungstraining wie gewohnt in kuhler Manier hier schildern. Viel Spaß, bis dann!
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Heute wird es was! Und wie!

Was in einer kuhlen Schuhle abgeht

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